| BENEDIKT XVI. GENERALAUDIENZ Mittwoch, 18. April 2007
Liebe Brüder und Schwestern! Heute wollen wir die Reihe unserer Betrachtungen über bedeutende Persönlichkeiten der frühen Kirche mit Klemens von Alexandrien fortsetzen. Er stammte aus dem griechischen Kulturkreis und wuchs wahrscheinlich in Athen auf; später wirkte er in Alexandrien, einer hellenistischen Kolonie in Ägypten. Klemens starb um das Jahr 215 in Kappadozien in Kleinasien. Von den literarischen Werken des Klemens von Alexandrien sind nur wenige erhalten geblieben: unter anderem ein Buch mit dem Titel Protreptikos, eine Art Mahnrede, in der das Christentum gegenüber heidnischen Ideen von Göttern als die wahre Philosophie dargestellt wird, die ein durch den göttlichen Logos geschenkter Weg zum Heil ist. In einem weiteren Werk, dem Paidagogos, führt Klemens aus, daß Christus, der wahre Erzieher, die Menschen von sündigen Gewohnheiten befreien und zu einem besseren Leben führen will. In einem Sammelband, den Stromateis, geht Klemens dem Gedanken nach, daß auch im griechischen Denken „Samenkörner“ der Wahrheit zu finden sind. Er unterstreicht, daß nur der Christ Zugang zur „wahren Lehre“ hat. Gott schenkt dem Menschen die Vernunft, aber er hilft ihm vor allem durch die Gabe des Glaubens, die Wahrheit zu erkennen und das ewige Leben zu erlangen. Klemens legt zudem großen Wert auf ein tugendhaftes Verhalten, das den Glauben stützt. Die apátheia, die Freiheit von den Leidenschaften, gehört dazu, sie muß aber ergänzt werden durch die Gottes- und Nächstenliebe, die den Menschen für die wahre Gemeinschaft mit Gott öffnet. Liebe Freunde, mein verehrter Vorgänger Papst Johannes Paul II. hat in seiner Enzyklika Fides et ratio auf ein zentrales Anliegen des Klemens von Alexandrien hingewiesen: Die griechische Philosophie war ein Streben nach richtigem Denken und Erkennen, sie ist jedoch kein Ersatz für die christliche Wahrheit, die selbst göttlichen Ursprungs ist und keiner Ergänzung bedarf (vgl. Nr. 38). * * * Ganz herzlich begrüße ich die Audienzteilnehmer deutscher Sprache und danke allen, die in diesen Tagen aus Anlaß meines 80. Geburtstags nach Rom gekommen sind und mich mit musikalischen Beiträgen erfreut haben. Unter den vielen, die ich gerne persönlich grüßen würde, kann ich hier nur einige Gruppen nennen: die Pilger aus dem Erzbistum München und Freising mit Kardinal Wetter, den Weihbischöfen und dem Domkapitel, die Marianische Männerkongregation Regensburg, die Alphornbläser aus Bayern und Baden-Württemberg sowie die Deggendorfer mit ihrer Bäckerinnung. Ich grüße auch gerne die großen Pilgergruppen aus den Bistümern Mainz und Trier. Ich freue mich über die Glückwünsche und danke für euer Gebet, mit dem ihr mich und meinen Hirtendienst begleitet. Vergelt’s Gott dafür! Der auferstandene Herr Jesus Christus, den uns diese österliche Festzeit in der heiligen Liturgie besonders nahebringt, stärke euch in der Gemeinschaft im Glauben und in der Liebe und schenke euch seinen Frieden. Euch alle schütze und führe der gütige Gott in diesen Tagen mit seiner Gnade und seinem Segen!
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